Universität Düsseldorf: FREMDHEIT UND GEWALT

2std. Proseminar, 26.4. und 5. u. 6.7.2002 (Blockveranstaltung)

Der Diskurs um "Fremdenfeindlichkeit" beruht häufig auf mindestens zwei sehr anzweifelbaren Voraussetzungen: Erstens, daß "der" Fremde (=Ausländer) die (als in sich homogen gedachte!) Verkörperung eines verdrängten Eigenen darstellt und aus diesem Grunde gehaßt wird. Zweitens, daß im Maße wachsender Toleranz gegen die eigenen "dunklen" Seiten der Seele auch die Fremdenfeindlichkeit abnimmt. Beide populärpsychoanalytischen Auffassungen beruhen auf der konkretistischen Gleichsetzung der inneren Alterität des Unbewußten mit den "äußeren Fremden" (d.h. mit einer oftmals recht willkürlich umgrenzten Personengruppe, von der jeweils behauptet wird, daß sie als Repräsentanz der "inneren" Fremdheit herhalten muß). Damit wird die Radikalität der psychoanalytischen Rede vom Unbewußten soziologistisch entschärft. Denk-Alternativen zu dieser kurzschlüssigen Konzeptualisierung des Zusammenhangs von Fremdheit und Gewalt sollen den Gegenstand dieses Seminars bilden.


Als Einführung können dienen:

Sigmund Freud: Das Unheimliche. GW XII, S. 227-268
Sigmund Freud: Die Verneinung, GW XIV, S. 9-15

Julia Kristeva: Fremde sind wir uns selbst. Frankfurt a.M. 1990, S. 197-210

Peter Schneider: "Identität? Vier psychoanalytische Anläufe". In: Merkur. Deutsche Zeitschrift für europäisches Denken, September 1994
Peter Schneider: "Das Fremde in uns - die Fremden mit uns. Psychoanalytische Überlegungen zum schwierigen Verhältnis von Eigenem und Fremden." In: Mittelweg. Zeitschrift des Hamburger Instituts für Sozialforschung, 4/1992


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